Substanzkonsum und Schule

FreD – Frühintervention für erstauffällige Drogenkonsument*innen
ein Beitrag von Claudia Hammer, Fachkraft für Suchtprävention Saalekreis

Irgendjemandem fallen junge Menschen garantiert irgendwann auf, in der Schule, in der Ausbildung, zu Hause, im Jugendclub, bei der Polizei, wenn sie übermäßig Alkohol trinken oder andere Substanzen konsumieren. Wer reagiert dann? Und wie?

Der Zeitpunkt des richtigen und frühzeitigen Eingreifens darf nicht verpasst werden. Denn die Folge könnte sein, dass der betreffende junge Mensch in ein noch größeres Suchtproblem abgleitet. Fallen junge Menschen wegen Drogen- oder Alkoholkonsums auf, folgt bestenfalls eine „gesundheitsbezogene Intervention“.

Seit 2014 bieten die AWO Suchtberatungsstelle und die Fachstelle für Suchtprävention Saalekreis in Halle und dem Landkreis Saalekreis FreD an (Frühintervention für erstauffällige Drogenkonsument*innen). Kooperationspartner waren und sind u. a. die Staatsanwaltschaft, die Polizei, die Jugendgerichtshilfen. [1] Die Teilnahme am Interventionskurs ist keine Strafe. Die Jugendlichen erhalten damit die Chance, frühzeitig über ihren Drogenkonsum und ihren Weg dorthin nachzudenken. Eine Chance, um Schlimmerem vorzubeugen. Der FreD-Kurs wird geleitet von erfahrenen FreD-Trainerinnen und Trainern. Der Gruppenkurs besteht aus acht Einheiten.

18 Jahre nach dem Start in Westphalen-Lippe ist FreD aktueller denn je, denn trotz intensiver verhaltens- und verhältnisbezogener Präventionsmaßnahmen wird die Zahl derjenigen, die intensiv kiffen oder Alkohol trinken, offensichtlich nicht kleiner. Gerade der Mischkonsum nimmt immer mehr zu. So konsumieren 47 Prozent der regelmäßig kiffenden Jugendlichen auch regelmäßig Alkohol, bei den 15-Jährigen ist bereits jeder zweite geübter Rauschtrinker. Gerade die Gruppe der Zwölf- bis 15-Jährigen trotzt dem eigentlich rückläufigen Trend beim Alkoholkonsum, ermittelte auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, 2011).[2]
FreD-Logo
Deshalb wurde mit dem europäischen Projekt FreD goes net die Zielgruppe der Kurzinterventionskurse erweitert: Es sollen auch Jugendliche mit problematischem Alkoholkonsum angesprochen werden. Neben Polizei und Justiz sind auch Schule, Arbeitsplatz und Jugendhilfe als weitere Settings hinzugekommen. Die FreD-Anbieter sind  darauf angewiesen, dass die Kooperationspartner Jugendliche von FreD überzeugen und diese dann in die Kurse vermitteln. Der Abbau von Skepsis und der Aufbau von Vertrauen in die FreD-Intervention ist deshalb eine der vordringlichsten Aufgaben.

Wie Lehrkräfte mit einer Auffälligkeit im Zusammenhang mit Rauschmitteln bei Schülern*innen umgehen sollen, ist oft nicht geklärt. Krisenordner, ministerielle Erlasse und Hausordnung können nur punktuelle Anker sein. Daher ist der Vermittlungsweg aus der Schule zu einem FreD-Kurs ein mögliches ergänzendes Erziehungsmittel, bevor eine Strafanzeige erstattet wird, wenn es sich beispielsweise um Cannabiskonsum handelt. An dieser Stelle kann das FreD-Programm sinnvoll in ein suchtpräventives Gesamtkonzept in Schulen integriert werden.[3]

Erstmalig ist im Landkreis Saalekreis eine Schule nun diesen Weg gegangen. Am 26. September 2018 beschloss die Gesamtkonferenz der Gemeinschafts- und Sekundarschule „J. W. Goethe“ Bad Lauchstädt einstimmig, dass FreD verpflichtend wird für Schüler*innen, die im Zusammenhang mit Alkohol und Drogen nicht mehr lernen können oder/und deren Sozialverhalten sich durch Konsum nachteilig verändert. In einem nachfolgenden Netzwerktreffen der Schule mit dem regionalen Ordnungsamt, der Polizei, der Beratungslehrerin und dem Eltern- und Schüler*innenrat konkretisierte die Schulleiterin Frau Felsberg Interventionen und Präventionsansätze zu den Themen Rauchen, Alkohol, Cannabis. Wie können zusätzlich zur Frühintervention (FreD) Eltern erreicht werden, Peers motiviert und geschult werden, Lehrer*innen unterstützt werden, einheitlich zu handeln? Im Januar ist der Tag der offenen Tür für die Eltern der künftigen 5. Klassen geplant. An diesem Tag wird es möglich sein, sich genauer über FreD und weitere suchtpräventive Angebote in der Schule zu informieren.

FreD-Termine 2019

1. Kurs    24.04. und 29.04.2019 in Halle
2. Kurs    08.07. und 10.07.2019 in Merseburg

[1] https://www.awo-halle-merseburg.de/angebote/projekte/suchtpraevention/fruehintervention/

[2] https://www.lwl-fred.de/de/

[3] https://www.awo-halle-merseburg.de/wp-content/uploads/2018/04/FreD-Schule-Flyer-2018.pdf