Mutmach-Lesung für Suchtbetroffene und ihre Angehörigen in der Suchtberatung Halle

Der Beratungsraum der AWO-Suchtberatungsstelle in Halle verwandelte sich am 6. Juni 2024 in einen Lesungsraum. Zu Gast waren Gisela und Kai Sender, die aus „Unser Suchtbericht“ und „Unser Mutbericht“ vorlasen. Mit ihren Büchern machen sie Betroffenen und deren Angehörigen Mut, den Weg aus der Sucht in Angriff zu nehmen.

Vor Beginn der Lesung richtete Nicole Dreifeld, die Vorstandsvorsitzende des Glücksspielfrei e.V., dem Bundesverband Selbsthilfe Glücksspielsucht, ein Grußwort an die Gäste. Sie berichtete darüber, was in den zweieinhalb Jahren seit Gründung des Bundesverbandes erreicht wurde. So konnte die Glücksspielsucht stärker in den Fokus politischer Entscheidungsträger gerückt und das Alter für das Betreten von Spielhallen auf 21 Jahre heraufgesetzt werden. „Die Betroffenen haben eine Stimme, die gab es vorher nicht“, so Nicole Dreifeld.

„Jeder Süchtige verliert seine Ehrlichkeit“, sagt Kai Sender. Weshalb die Ehrlichkeit sich selbst und den anderen gegenüber ein wichtiger Baustein für ihn ist, sich aus dem Griff der Sucht zu befreien. Der ehemaliger Leiter einer Bremer Selbsthilfegruppe, berichtet aus der Sicht eines Menschen mit Suchterfahrung, während seine Frau Gisela die Sichtweise einer Familienangehörigen wiedergeben kann. Gisela und Kai Sender sind sich einig, der Wunsch, aufhören zu wollen, kann nicht von außen erzeugt werden, das muss der Süchtige selbst wollen.

Kai Sender beschreibt mit starken Bildern, wie sich ein Suchtbetroffener fühlt, was die Sucht im Leben eines Menschen anrichtet. Ein süchtiger Mensch führt nicht die Regie in seinem Lebensfilm. Im Mittelpunkt steht nur die Sucht, so der Autor. Er berichtet davon, dass man immer wachsam bleiben muss, selbst wenn eine Sucht überwunden scheint. Es besteht die ständige Gefahr, auf eine andere Sucht umzusteigen. Etwas, das er selbst erlebt hat. Die Sucht ist eine existenzbedrohende Krankheit und kein Schnupfen. Nach seiner Einschätzung kann ohne eine Selbsthilfegruppe der Ausstieg nicht gelingen. Sein Rat an alle Betroffenen: „Niemals aufgeben, niemals zurückstecken, nach einer Weile macht das Kämpfen sogar Spaß.“

Das Buch „Unser Suchtbericht“ entstand ursprünglich als Internetblog, in dem Kai Sender seine Erlebnisse während eines Klinikaufenthaltes beschrieb. Der Blog fand so viele Leser, dass es nahe lag, daraus ein Buch zu machen.

Organisiert wurde die Lesung von der Selbsthilfegruppe Glücksspiel Halle (Saale) in Kooperation mit der AWO Suchtberatungstelle Halle.

Das Autorenpaar Gisela und Kai Sender (vorn), Stefan Martin Börner von der Selbsthilfegruppe Glücksspiel Halle (Saale) Game over sowie Nicole Dreifeld, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Glücksspielfrei e.V.

Die Suchtberatungsstelle Halle – Saalekreis AWO Erziehungshilfe Halle (Saale) gGmbH wird gefördert aus Mitteln der Stadt Halle (Saale), des Landkreises Saalekreis und der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland.

Halle, 07. Juni 2024