Medizinisch-Psychologische Untersuchung mit rauschmittelbezogener Fragestellung zur Neuerteilung einer Fahrerlaubnis
Die MPU ist eine Begutachtungsprüfung der körperlich-geistigen Eignung zum Führen eines Fahrzeugs unter Berücksichtigung persönlichkeits- und verhaltensbezogener Aspekte.
Die suchtmittelbedingte MPU wird von der kommunalen Führerscheinbehörde vorgeschrieben:
- bei einer Trunkenheitsfahrt ab 1,6‰ Blutalkoholkonzentration BAK (im Einzelfall gegebenenfalls auch schon bei geringerer BAK)
- bei zwei Alkoholauffälligkeiten im Straßenverkehr, dann aber unabhängig von der Blutalkoholkonzentration,
- bei einer wiederholten Fahrt unter Cannabiseinfluss über 3,5 ng/ml THC im Blutserum,
- bei einer Fahrt unter sonstigem Rauschmitteleinfluss bzw.
- bei Bekanntwerden des Konsums illegaler Rauschmittel (auch unabhängig von einer Verkehrsteilnahme). Jedes rechtsgültige Urteil wird der Führerscheinbehörde gemeldet. Selbst der Konsum illegaler Rauschmittel wird bei Bekanntwerden der Führerscheinstelle gemeldet und kann ausreichen, die Fahrerlaubnis zu entziehen.
- Für die Zweifel der Führerscheinbehörde ist dabei grundsätzlich weniger wichtig, ob man mit einem Kraftfahrzeug, einem führerscheinunabhängigen Fahrzeug (Scooter, Fahrrad) oder zu Fuß am öffentlichen Straßenverkehr teilnimmt.
Bei diesen rauschmittelbedingten Auffälligkeiten hat die kommunale Straßenverkehrsbehörde Zweifel an der Fahreignung des Fahrers bzw. der Fahrerin. Sie entzieht der Person deshalb die Fahrerlaubnis oder fordert dazu auf, eine positive Begutachtung eines MPU-Institutes in einem gewissen Zeitraum vorzulegen, um den Führerschein zu behalten. Das geschieht unabhängig von einer gerichtlichen Sperrfrist zum Führen eines Kraftfahrzeuges. Die Anordnung einer MPU geschieht nicht durch ein Gericht, sondern durch die Behörde des Straßenverkehrsamtes in der Heimatgemeinde des Fahrerlaubnisbesitzers bzw. der Fahrerlaubnisbesitzerin.
Die MPU selbst erfolgt an zugelassenen Begutachtungsstellen (in unserer Region Halle | Saalekreis | Leipzig bei Dekra, pima MPU, TÜV Nord, TÜV Süd). Die neubeantragende Person kann das Institut frei auswählen und gibt dieses der Führerscheinstelle bekannt. Die Behörde sendet daraufhin die Führerscheinakte im Original an das Institut zur Vorbereitung. Eine MPU besteht in der Regel aus vier Teilen und dauert ca. 3-5 Stunden:
- Ein Arzt oder eine Ärztin untersucht umfassend, ob es allgemeine oder suchtmittelbezogene medizinische Ausschlussgründe für das Führen eines Fahrzeugs gibt (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Abhängigkeitserkrankungen, Erkrankungen der Sinnesorgane oder des Gehirns). Es werden Blut- oder Urinproben entnommen.
- In einem computergestützten Reaktionstest wird überprüft, ob das Tempo und die Richtigkeit der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit ausreichend ausgeprägt sind.
- In einem Fragebogen werden persönliche Angaben zum Führerscheinerwerb und der durchschnittlichen jährlichen Fahrleistung ebenso erfragt wie eventuelle Medikationen und Vorerkrankungen.
- Schließlich findet ein verkehrspsychologisches Gespräch statt, das zwischen 45 und 120 Minuten dauern kann. Dieses Gespräch können wir mit Ihnen vorbereiten.
Um ein positives Ergebnis in der MPU zu erlangen, braucht es nach unserer Erfahrung eine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Konsumgewohnheiten und in aller Regel eine 12 -15monatige Verhaltensänderung mit z.T. Nachweispflichten (forensische Abstinenzscreenings von Haaren, Urin oder Blut). Diese Verhaltensänderung sollten Sie so schnell wie möglich nach dem Vorfall beginnen, unabhängig von den juristischen oder behördlichen Abläufen. Dabei unterstützen wir Sie gern. In kostenfreien Einzelgesprächen klären wir Ihre individuelle Situation und geben daraufhin Empfehlungen für eine gute Vorbereitung.
In der MPU-Vorbereitung helfen wir Ihnen darüber nachzudenken, wie es dazu kam, dass Sie z.B. berauscht ein Fahrzeug geführt haben und welche Gefahren damit verbunden waren. Wir sprechen mit Ihnen darüber, was im Vorfeld und am Tag der „Rauschfahrt“ passiert ist und was die Folgen waren. Was haben Sie seitdem verändert und wie stellen Sie sicher, dass es so bleibt?
Neben den regulären Beratungs-Einzelgesprächen bieten wir ca.3x im Jahr einen kostenpflichtigen Vorbereitungskurs an unserem Standort in Merseburg an. Dieser findet an zwei aufeinander folgenden Freitagen mit maximal 8 Teilnehmenden statt. Im Anschluss findet dazu ein individuelles Abschlussgespräch statt. Inhaltlich beschäftigen wir uns mit folgenden Themen:
- Inhalte und Ablauf der MPU
- Wirkungsweisen von Suchtmitteln
- Analyse des Konsumverhaltens
- Aufarbeitung der Verkehrsteilnahme unter Rauschmitteln
- Rückfallvermeidung in Risikosituationen
- Veränderungen stabilisieren
Eine Vielzahl von zufriedenen Teilnehmenden hat durch unser Angebot die Fahrerlaubnis wieder erlangt. Wenn Sie sich näher zum Thema MPU beraten lassen möchten, nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf.